Licht gegen die Dunkelheit
Chanukkia-Zündung und Menschenkette in Bochum
Die diesjährige Chanukkafeier vor dem Bochumer Rathaus stand im Schatten der jüngsten Ereignisse. Am Tag der ersten Kerzenzündung ereignete sich in Sydney ein antisemitischer Anschlag, der Todesopfer und Verletzte forderte. Die Gedanken der Gemeinde und vieler Anwesender waren bei den Ermordeten und Verletzten, bei ihren Angehörigen sowie bei der jüdischen Gemeinde vor Ort, die am Bondi Beach hatte feiern wollen und stattdessen einen Akt erschütternder Gewalt erlebte. Für viele fühlte sich die Tat wie ein schmerzhaftes Wiederaufleben der traumatischen Bilder des 7. Oktober 2023 an.
Und doch ließ sich Bochum nicht einschüchtern. Wie in jedem Jahr wurde die Chanukkia vor dem Rathaus entzündet.
Feierlich eröffnet wurde der Abend vom Oberbürgermeister Jörg Lukat, der ein Grußwort hielt. Auch Grigory Rabinovich, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bochum – Herne – Hattingen begrüßte die Anwesenden. Rabbiner Andrés Bruckner betonte, „dass G‘‘tt nicht will, das wir gleich werden. Er will, dass wir das feiern, das jeder Mensch und jedes Volk in sich trägt“. Dabei erinnerte er beispielsweise an den besonderen Bezug Bochums zu Herbert Grönemeyer, was für einiges Schmunzeln in der Menge sorgte. Nachdem die Segnung der Kerzen (Bracha) durch den Rabbiner geschah, zündeten Freund*innen der Gemeinde die Kerzen: Oberbürgermeister Jörg Lukat und Aleksander Chraga (Geschäftsführung der Jüdischen Gemeinde Bochum – Herne – Hattingen) zündeten die Dienerkerze und die erste Kerze der Chanukkia, Prof. Dr. Christoph Hanefeld, ärztlicher Vorstand im Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UKRUB), Florian Kovatsch, beim Fanprojekt Bochum aktiv und Dr. Ingrid Wölk, Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied der Initiative Nordbahnhof e.V. zündeten die weiteren Lichter.
In diesem Jahr erhielt die Feier eine zusätzliche, starke Dimension: Das Bündnis gegen Antisemitismus Bochum organisierte eine Menschenkette rund um die Chanukkafeier, um ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde Bochum – Herne – Hattingen sowie mit Jüdinnen und Juden weltweit zu setzen. Fast dreihundert Menschen folgten dem Aufruf und machten den Abend zu einem eindrucksvollen Moment der Gemeinschaft und Solidarität.
Mitten in der Stadt, umgeben von Freund*innen, wurde gemeinsam gefeiert, gesungen, getanzt und die Kerzen gezündet. Bei Sufganiyot und Glühwein wurde ein Miteinander gelebt, das deutlich machte: Jüdisches Leben gehört selbstverständlich in diese Stadt. Die Menschenkette schützte nicht nur symbolisch die Feier, sie vermittelte auch Halt und Zuversicht in einer Zeit, in der antisemitischer Hass erneut sichtbar geworden ist.
Der Anschlag von Sydney, verübt an einem jüdischen Feiertag, reiht sich ein in ein abstoßendes und perfides Muster antisemitischen Terrors. Chanukka soll ein frohes Fest sein, ein Fest, das davon erzählt, dass Dunkelheit immer wieder erhellt werden kann. Das Wunder des Lichts steht nicht nur für die Tempelgeschichte, sondern auch für die Resilienz jüdischen Lebens. Trotz Jahrtausende langer Verfolgung, trotz immer neuer Formen des Antisemitismus ist das Judentum da, lebendig und hoffnungsvoll.
Die Stadt Bochum, das Bündnis gegen Antisemitismus, die vielen Freund*innen, die zur Menschenkette gekommen waren und die vielen anwesenden Gemeindemitglieder der Jüdischen Gemeinde Bochum – Herne – Hattingen zeigten an diesem Abend eindrucksvoll, wofür Chanukka steht: für Licht, Hoffnung und Zusammenhalt. Werte, die gerade in so schwierigen Zeiten sichtbar und lebendig bleiben müssen.
Chanukka Sameach!
Marie Zielinski
Foto: Stadt Bochum/Dennis Yenmez