Bikur Cholim: 20 Jahre Fürsorge
Ein älterer Mensch klagte seinem freiwilligen Helfer, dass er nicht mehr spazieren gehen könne. Dieser wandte sich an die Sozialabteilung und schon bald bekam der Betreute einen Helfer für Spaziergänge. In einem anderen Fall bemerkte ein Freiwilliger, dass ein alleinstehender Mensch kaum noch aß und der Pflegedienst nicht ausreichte. Er informierte das Rabbinat, und der Mensch wurde in betreutes Wohnen verlegt, wo man sich besser um ihn kümmerte. Ein alleinstehender Mensch wurde krank, der Freiwillige brachte die nötigen Lebensmittel und Medikamente.
Solche Geschichten sind keine Ausnahmen. Die Freiwilligen des Projekts „Bikur Cholim“ werden oft zur Brücke zwischen älteren Menschen und der Gemeinde und bemerken Probleme, bevor es zu spät ist.
Für wen ist das wichtig – und warum gerade jetzt
Die Mizwa von Bikur Cholim – der Besuch von Kranken und Bedürftigen – gehört zu den wichtigsten Pflichten eines Juden seinem Nächsten gegenüber. In der Dortmunder Gemeinde wird sie seit 20 Jahren in die Tat umgesetzt.
Derzeit unterstützen 33 Freiwillige fast 600 Menschen. Manche von ihnen brauchen regelmäßige Besuche und Gespräche, anderen reicht einmal im Jahr ein Feiertagsgeschenk. Einige haben Kinder und Enkel, andere sind ganz allein.
Manchmal, wenn die Gesundheit nachlässt, fällt es schwer zu verstehen, an wen man sich wenden soll, welche Dokumente nötig sind. Und manchmal fehlt einfach die Kraft dazu. Der Kontakt zu Freiwilligen und zur Sozialabteilung bedeutet zu wissen: Im Bedarfsfall sind Sie nicht allein, und es gibt jemanden, der hilft.
Deshalb wurde im Herbst und Winter eine Befragung der Betreuten durchgeführt. Wir fragten: Haben Sie Angehörige in der Stadt? An wen sollen wir uns wenden, wenn Sie im Krankenhaus sind und der Freiwillige Sie nicht erreichen kann? Manche beantworteten die Fragen gern, andere waren vorsichtig, verstanden womöglich nicht, wozu das gut sein soll. Das Ziel ist einfach: zu wissen, wer allein ist, um rechtzeitig zu merken, wenn Hilfe gebraucht wird.
Für alle, die helfen möchten
Freiwilliger kann jeder werden, unabhängig vom Alter. Unter den Helfern gibt es junge Mütter und Studenten, die noch keine 20 sind. Und die ältesten Freiwilligen, die seit 20 Jahren dabei sind und ihre ehrenvolle Tätigkeit fortsetzen, werden in diesem Jahr selbst 88. Mögen sie alle gesund bleiben!
Die Tätigkeit der Freiwilligen erfordert keine besondere Ausbildung und nimmt durchschnittlich ein paar Stunden im Monat in Anspruch. Jeder hat seinen Bereich und seine Betreuten. Manchem reicht ein kurzer Besuch oder Anruf, ein anderer braucht mehr Aufmerksamkeit – je nach Situation. Es gibt Betreute, deren Familien in der Nähe sind, aber es gibt auch die, die niemanden haben. Und in diesem Moment ist es besonders wichtig zu wissen, wer von unseren Gemeindemitgliedern jetzt oder in Zukunft die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Gemeinde besonders braucht.
Die Freiwilligen ersetzen keine Sozialarbeiter. Aber sie kommen, hören zu, gratulieren zu den Feiertagen und achten darauf, wenn Hilfe nötig ist.
20 Jahre Hilfe
Als das Projekt begann, wurde es von Anatolij Kuperman geleitet. Als er aus Dortmund wegzog, wählte das Team aus seinen Reihen einen neuen Koordinator, Leon Nachimov. Manche Freiwillige sind seit 20 Jahren dabei. Einige sind in diesen Jahren selbst von Freiwilligen zu Betreuten geworden. Das ist natürlich, das Leben geht weiter.
Aber das Wichtigste bleibt unverändert: Bikur Cholim ist nicht einfach eine Organisation. Es ist Ausdruck von Fürsorge und gegenseitiger Unterstützung, ohne die jüdisches Leben nicht vorstellbar ist.
Wenn Sie oder Ihre Angehörigen Unterstützung brauchen – rufen Sie uns an.
Wenn Sie einen alleinstehenden Menschen kennen, der Aufmerksamkeit braucht – sagen Sie uns Bescheid.
Wenn Sie Freiwilliger werden möchten – schließen Sie sich uns an, wir freuen uns auf Sie.
Den Projektkoordinator erreichen Sie über das Rabbinat unter der Telefonnummer: 0231-557472-31.
Vielleicht ist gerade Ihr Anruf genau das, was jemand heute benötigt.
Rabbinat Dortmund