Chansons und Jewish Jazz in Dortmund

Am Sonntag, 2. November, luden Tirzah Haase und Frank Scheele zu einem Doppelkonzert in die Jüdische Gemeinde Dortmund ein. Die Matinée griff den Gedanken des Festivals „Aus dem Viertel fürs Viertel“ aus dem vergangenen Jahr auf. Während des Konzerts wurde jedoch deutlich, dass diese beiden Künstler mehr verbindet, als das Leben im Kaiserstraßenviertel.

Programmatisch begann Tirzah Haase ihren Part mit „Ein Freund, ein guter Freund“ von Robert Gilbert und Richard Heymann. Daneben sang Haase Chansons von Kurt Weill, Daliah Lavi und Miriam Frances und Mischa Spoliansky. Einigen Stücken hätte man weniger Aktualität gewünscht, wie dem Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ von Pete Seeger und den Satiren „An allem sind die Juden schuld“ von Friedrich Hollaender von 1931 und „Lieb Vaterland“ von Udo Jürgens aus dem Jahr 1971. Den Text „Mein Gorilla hat ‚ne Villa im Zoo“ inszenierte Haase mit Basecap als Persiflage auf Donald Trump. Begleitet wurde sie von Armine Ghuloyan am Flügel.

Im zweiten Teil brachten Frank Scheele und der Pianist Peter H. Köcke Jazz-Musik jüdischer Komponisten auf die Bühne, von „Puttin‘ on the Ritz“ von Irving Berlin (1929), über „The way you look tonight“ von Jerome Kern (1936) bis „Moonlight in Vermont“ von John Blackburn und Karls Suessdorf (1944). Aber auch Stücke von George Gershwin, Mel Tormé und Eden Ahbez durften nicht fehlen.

Gerahmt wurden die beiden Konzertteile von zwei gemeinsam gesungenen Stücken, der Moritat „Mackie Messer“ von Kurt Weill und dem Jazz-Klassiker „Summertime“ von George Gershwin, für die sich die Künstler auf das Genre des jeweils anderen einließen. Und selbst die Pianisten improvisierten spontan vierhändig.

Das Konzert stand damit für drei Dinge, die wir gerade alle brauchen: Freundschaft, Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft und richtig gute Musik.

Ruth Nientiedt
Foto: Ramiel Tkachenko / J.E.W.