Mein Leben ist geprägt vom christlich-jüdischen Gespräch

Für Zwi Rappoport ist der christlich-jüdische Dialog zutiefst persönlich: Er wuchs in einer Familie auf, in der dieser Dialog keine abstrakte Idee war, sondern gelebte Lebenspraxis. Seine Mutter Dora Rappoport gehörte zu den Pionierinnen des christlich-jüdischen Dialogs in Westfalen.

Zwi Rappoport,
Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dortmund und Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Westfalen-Lippe

Am 23. November 2025 begann in Bielefeld-Bethel die Herbsttagung der Landessynode – des höchsten repräsentativen Gremiums der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Eröffnet wurde die viertägige Synodentagung mit einem feierlichen Gottesdienst in der Zionskirche, an dem Delegierte, Gäste und Beobachter teilnahmen.

Im Mittelpunkt der Herbstsynode standen kirchliche wie auch gesellschaftspolitische Fragestellungen – von innerkirchlichen Strukturfragen bis hin zur Rolle der Kirche in einer demokratischen Gesellschaft. Grußworte sprachen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, benachbarter evangelischer Kirchen sowie der katholischen
Kirche.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, Zwi Rappoport. Er habe sich sehr gefreut, um ein Grußwort für die Landessynode gebeten worden zu sein, sagte Rappoport. Ihm persönlich liege der christlich-jüdische Dialog sehr am Herzen, für den bereits seine verstorbene Mutter nach der Rückkehr der Familie aus Israel nach Westfalen in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur Vorreiterin geworden war.

Zwi Rappoport beschrieb in einer historischen Rückschau die Sprachlosigkeit auf allen Seiten nach den Schrecken in der Zeit des Nationalsozialismus. „Umso bewundernswerter war daher der Entschluss der wenigen Gleichgesinnten, Juden und Christen, sich aus der Erstarrung zu lösen und aufeinander zuzugehen“, so der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden.

In den folgenden Jahrzehnten habe sich trotz mancher Rückschläge ein neues Vertrauensverhältnis zwischen Juden und Christen in Deutschland entwickelt, sagte Rappoport. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 und die darauffolgenden Kriege in Gaza und im Libanon hätten indes das christlich-jüdische Verhältnis stark beeinträchtigt.

Zwi Rappoport beschrieb antisemitische und antiisraelische Ressentiments, die Juden seitdem im extremen Maße erlebten. Sie hätten, so seine Wahrnehmung, „leider auch in christlichen Kreisen Anschluss gefunden.“ Rappoport kritisierte in diesem Zusammenhang auch Formulierungen in öffentlichen Äußerungen christlicher Organisationen wie des Lutherischen Weltbundes oder des Ökumenischen Rats der Kirchen, weil dort beispielsweise kurz nach dem Hamas-Überfall lediglich von „Feindseligkeiten zwischen Israel und Palästina“ die Rede gewesen sei.

Die jüdische Gemeinschaft in Westfalen, bekräftigte ihr Vorsitzender, sei keineswegs bereit, den antisemitischen Kräften, woher auch immer sie kämen, das Feld zu überlassen. Er appellierte an die Vertreter*innen der Kirchen, sich dabei an ihre Seite zu stellen. „Wir brauchen noch viel mehr Engagement und Unterstützung auch und gerade von Ihnen als Christinnen und Christen, um die bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungenen antisemitischen Ressentiments zurückzudrängen“, sagte Rappoport. In einer anschließenden Aussprache dankten zahlreiche Mitglieder der Synode dem leitenden Vertreter der jüdischen Gemeinschaft für seine eindrückliche Beschreibung der aktuellen Situation. Sie sicherten verstärkte Aufmerksamkeit und Anstrengungen gegen antisemitische Tendenzen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu.

Die weiteren Beratungen der Synode wurden mit Berichten der Kirchenleitung, inhaltlichen Schwerpunkten sowie Haushalts- und Strukturfragen fortgesetzt. Doch war es insbesondere die Rede von Zwi Rappoport, die das Plenum nachhaltig bewegte und den Ton für die weiteren Diskussionen prägte.

Gesamtblick auf die Synode / Foto: EKvW