Gedenkveranstaltung in Dorstfeld

Am 10. November gedachten zahlreiche Dortmunderinnen und Dortmunder auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld der Pogromnacht 1938. VertreterInnen von „Omas gegen Rechts“, ADIRA, RIAS und Jugendgruppen präsentierten unter dem Motto „Erinnern heißt handeln – damals, heute und morgen“ ihre Arbeit gegen Antisemitismus. Die zentrale Gedenkstunde, organisiert vom Projekt Quartiersdemokraten, folgte am gegenüberliegenden Mahnmal.

 v.l.n.r.: Kantor Abraham Goldberg, SPD-Landtagsabgeordneter Ralf Stoltze, Bürgermeister Norbert Schilff,
Rabbiner Avigdor Nosikov, Bezirksbürgermeisterin Astrid Cramer

Bürgermeister Norbert Schilff verband das historische Gedenken mit aktuellen Herausforderungen. Persönlich wurde es, als er auf seine Diffamierung als „Gedenkbürgermeister“ durch die AfD einging: „Verweigerte Erinnerung ist Mord“, konterte er mit einem jüdischen Sprichwort. „Ich werde deshalb, solange ich lebe, zur Erinnerung aufrufen, egal ob in dieser Funktion oder in irgendwelchen anderen.“

Bezirksbürgermeisterin Astrid Cramer erzählte von Josef Rosenthal, dem ersten Vorturner des ATV Dorstfeld, und seiner Schwester Rosalie Glowacz, die beide in Theresienstadt ermordet wurden. Sie nannte alarmierende Zahlen: 75 antisemitische Vorfälle in Dortmund 2024 – ein Anstieg um 67 Prozent – und beklagte die Notwendigkeit bewaffneter Bewachung der Synagoge.

Rabbiner Avigdor Nosikov warnte, dass mit den Jahren die Lehren der Vergangenheit verblassen könnten: „Wer glaubt, durch die Unterdrückung anderer das Leben der eigenen Gruppe verbessern zu können, führt die Welt in die Katastrophe. ‚Nie wieder‘ bedeutet nicht nur Erinnerung an den Holocaust – ‚Nie wieder‘ bedeutet, dass es um die Menschenwürde geht. Und ‚Nie wieder‘ ist jetzt.“

Schülerinnen und Schüler verschiedener Dortmunder Schulen rahmten die Veranstaltung mit Musik und eigenen Texten. Kantor Abraham Goldberg sprach das Gebet für die Opfer der Shoa. 

Artikel & Foto: Hana Kopelewitsch