Gedenkveranstaltungen am 9. November 2025

Die Jüdische Kultusgemeinde Paderborn führte am 9. November 2025 gleich drei Gedenkveranstaltungen durch

Lesung in der Synagoge Paderborn

Zum Gedenktag fand in der Synagoge eine Lesung von Sonja Szylowicki statt. Sie las aus Texten „Kristall und Schäferhund“ sowie „Die Synagoge und der Dom“. Darin verarbeitet die Autorin ihre letzten Paderborner Jahre und die Tage unmittelbar nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938.

Die jüdische Schriftstellerin Jenny Aloni (1917–1993), deren Leben die Grundlage für die Texte bildet, erlebte die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus als Schülerin des Michaelsklosters. 1935 verließ sie Paderborn, 1939 gelang ihr die Flucht nach Palästina. 1967 erhielt sie den Kulturpreis der Stadt Paderborn.

Die Nachmittagslesung in der Synagoge besuchten rund 75 Personen, darunter etwa 30 Gemeindemitglieder.

Friedensgottesdienst in Steinheim (Kreis Höxter)

Die zweite Veranstaltung fand in Steinheim statt, das zum Zuständigkeitsbereich der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn gehört.
Der Friedensgottesdienst im Lichtermeer unter Mitwirkung der Gemeinde war mit rund 140 Teilnehmenden sehr gut besucht – auch viele Mitglieder aus Paderborn nahmen die 40-minütige Anfahrt auf sich.

Sven Fischer (Presbyter Ev. Kirche Steinheim) eröffnete den Gottesdienst mit den Worten: „Wir werden heute gemeinsam ein Licht entzünden – ein Licht für den Frieden und gegen die Dunkelheit, die uns umgibt. Wir tun dies an einem besonderen Tag, dem 9. November, der wie kaum ein anderes Datum als Schicksalstag der deutschen Geschichte gilt. […] Umso mehr freut es unsere Gemeinde, dass dieser Friedensgottesdienst unter Mitwirkung der Jüdischen Kultusgemeinde stattfindet.“
Xenia Nickel begrüßte die Gäste im Namen der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn: „Wir sind heute hier, um zu erinnern – an ein Datum, das sich tief in das Gedächtnis eingebrannt hat: den 9. November 1938. […] Diese Nacht markierte den Beginn der systematischen Vernichtung, die nur wenige Jahre später in der Shoah ihren grausamen Höhepunkt fand. Gedenken heißt, Verantwortung zu übernehmen – für das Heute und für das Morgen.“
Heike Sablotny und Xenia Nickel trugen Psalm 74 auf Deutsch und Hebräisch vor.

In seiner bewegenden Predigt erinnerte Pfarrer Holger Nolte-Günther (Ev. Kirche Steinheim) daran, dass wir alle Brüder und Schwestern sind und Verantwortung füreinander tragen.

In ihrer Ansprache „Gedenken zum Gedenktag“ betonte Xenia Nickel: „Lassen wir diesen Tag ein Zeichen sein – ein Zeichen des Mitgefühls, des Erinnerns und der Verantwortung. Denn Gedenken ist kein Blick zurück, sondern ein Schritt nach vorn – mit dem Bewusstsein, dass Frieden und Menschlichkeit in unseren Händen liegen.“

Zentrale Gedenkfeier in Paderborn

Am Abend fand die zentrale Gedenkveranstaltung am Mahnmal „An der Alten Synagoge“ statt.

Rund 400 Menschen nahmen teil. Für die musikalische Gestaltung sorgte der interkulturelle Chor KlangKult Paderborn, der unter anderem „Hineh ma tov uma na’im“, „Shalom chaverim“ und „Andre, die das Land so sehr nicht liebten“ sang.

Monika Schrader-Bewermeier, katholische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Erinnerns, um aus der Vergangenheit zu lernen und die Gegenwart menschlicher zu gestalten.

Bürgermeister Stefan-Oliver Strate erinnerte eindringlich: „Was damals geschah, darf nie wieder geschehen. Doch erinnern allein reicht nicht.“
Er bekräftigte zugleich die volle Unterstützung und den Zusammenhalt der Stadt mit der Jüdischen Gemeinde Paderborn. Prof. Dr. Idris Nassery hielt ebenfalls eine ergreifende Rede.

Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Elsen verlasen die Namen der ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden.
Nach der Kranzniederlegung durch Bürgermeister Strate, Landrat Christoph Rüther, Monika Schrader-Bewermeier und Xenia Nickel sprach Frau Nickel das Gebet „El Male Rachamim“ sowie anschließend das „Sch’ma Israel“.

Zum Abschluss erhielten alle Teilnehmenden Kerzen, die sie am Denkmal niederlegten – ein stilles Zeichen des Gedenkens und der Hoffnung.
Die Jüdische Kultusgemeinde Paderborn dankt allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern für ihre Teilnahme und das gemeinsame Erinnern.
Die Verbundenheit und Anteilnahme zeigen, dass Erinnerung lebendig bleibt – als Mahnung und als Auftrag für die Zukunft.

Xenia Nickel, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Paderborn
Foto: Archiv Jüdische Gemeinde Paderborn