Zwi Rappoport,
Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.o.R.
Liebe Gemeindemitglieder,
843 Tage lang hat unsere gesamte jüdische Gemeinschaft das Schicksal der israelischen Geiseln voller Hoffen und Bangen verfolgt.
Die Befreiung der letzten lebenden Geiseln im Oktober des vergangenen Jahres – nach zwei Jahren in der Hölle der Tunnel unter Gaza – war daher eine große Erleichterung für uns alle.
Doch die Frage der Rückkehr der sterblichen Überreste von über 20 weiteren Getöteten und Verschleppten blieb ungewiss und bereitete insbesondere den betroffenen Familien tiefe Schmerzen.
Was uns alle vereint, ist das Gebot „Kol Israel arevim ze la-ze“ – das jüdische Volk trägt Verantwortung, ein jeder für jeden! Daraus folgte für den Staat Israel der gesellschaftliche Konsens, dass niemand allein – oder zurückgelassen wird – auch über den Tod hinaus.
Die Bergung des Leichnams von Ran Gvili durch die IDF am 26. Januar hat somit nicht nur für seine direkten Angehörigen ein Ende der quälenden Ungewissheit erbracht, sondern auch einen gewissen Trost und Abschluss für die gesamte jüdische Gemeinschaft.
Während der schweren Kämpfe nahe des Kibbuz Alumim hatte Gvili mit Mut gegen Terroristen aus Gaza gekämpft. Bewohner, die den Angriff überlebten, schreiben ihm zusammen mit anderen zu, dass er an diesem Tag dutzende Leben rettete! Schließlich sei er im Kampf gefallen, seine sterblichen Überreste wurden nach Gaza verschleppt.
Mit der Rückführung seines Leichnams hat die jüdische Ethik und das israelische Selbstverständnis einen gewissen Abschluss gefunden; nicht weil der Schmerz über die Verluste des 7. Oktobers weniger geworden wäre, sondern weil der Schwebezustand ein Ende hat und das Versprechen, alle zurück zu holen, erfüllt wurde.
Symbolisch sind die Bilder der erschöpften Soldaten des Einsatzkommandos, das nach endlosen Tagen und Nächten schließlich den Leichnam des 24-jährigen Polizisten gefunden hat.
Herzergreifend hört man sie in einem Video das uns allen bekannte spirituelle Lied singen „Ani Ma’amin“ – ich glaube.
Die weltweite Forderung nach Rückkehr der Geiseln – Bring them home now – hat uns alle verbunden.
Wir haben gezeigt, dass trotz aller gesellschaftlicher und politischer Differenzen die jüdische Gemeinschaft auf der ganzen Welt für ein gemeinsames Ziel vereint ist.
Die Bilder und Videos der Menschen, die nun – nach der Rückführung der letzten Leiche aus Gaza – das gelbe Band der Solidarität ablegen, sind beispielhaft für die Würde und Menschlichkeit, die wir unbeirrt gezeigt haben. Welch Unterschied zu unseren Gegnern, die uns immer noch mit Hass und Vernichtung drohen.
Deshalb immer wieder Am Israel Chai!