Zwi Rappoport,
Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.o.R.
Liebe Gemeindemitglieder,
in den vergangenen Wochen waren Bilder zu sehen, die viele überrascht haben: auf weltweiten Großdemonstrationen von Exil-Iranern gegen das Mullah-Regime wehten neben der persischen Flagge regelmäßig auch Israelfahnen – für alle sichtbar im Zentrum der Kundgebungen.
Man muss sich diesen starken Kontrast vor Augen führen: während bei palästinensischen Demonstrationen in vielen europäischen Städten Israelfahnen zu heftigen Anfeindungen führten und es im Einzelfall sogar lebensgefährlich war, eine solche Fahne zu tragen, werden sie nun wie selbstverständlich gezeigt. Sie wehen als Ausdruck der Dankbarkeit und gemeinsamer Gegnerschaft gegenüber einem Terrorregime, das sowohl das eigene Volk brutal unterdrückt, als auch Israels Existenz über Jahrzehnte bedroht hat.
Für uns als jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Sie widerspricht einfachen Deutungsmustern. Sie zeigt, dass politische Lager nicht automatisch entlang ethnischer oder religiöser Linien verlaufen. Und sie macht deutlich, dass die Ablehnung des iranischen Regimes und die Unterstützung Israels in großen Teilen der iranischen Diaspora zwei Seiten derselben Medaille sind: die Ablehnung und der Kampf gegen ein System, das auf Unterdrückung nach innen und Vernichtungsrhetorik nach außen setzt.
Zweifelsohne handelt es sich um einen historischen Moment.
Und bemerkenswerterweise geschah dies ausgerechnet zur Zeit des Purimfestes, dass an die Errettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung im antiken persischen Reich erinnert. Wie sich der Vernichtungswille Hamans am Ende gegen ihn selbst und seine Familie wendete, richtet sich nunmehr der Vernichtungswille des Mullah-Regimes gegen seine eigenen Anführer und ihre Vasallen.
Auch das bevorstehende Pessachfest, bei dem wir an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft erinnern, gehört zum Kern unserer jüdischen Geschichte. Sie ist nicht nur Erinnerung, sondern Maßstab. Wer selbst Befreiung als identitätsstiftend begreift, kann den Wunsch nach Freiheit für andere besonders nachempfinden.
Deshalb steht die Jüdische Gemeinschaft heute fest an der Seite des iranischen Volkes und wünscht ihm von ganzem Herzen die Befreiung aus seiner jahrzehntelangen Knechtschaft und Unterdrückung.
Chag Pessach Sameach!