Rabbiner Pinchas Goldschmidt:„Iran bedroht jüdische Gemeinden in Europa“

Wenn das iranische Regime fällt, wird nicht nur der Nahe Osten ruhiger – auch Europa könnte aufatmen. Davon ist Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), überzeugt.

Rabbiner Pinchas Goldschmidt,
Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER)

In einem Interview am 5. April beim Sender ILTV Israel News sprach er ungewöhnlich offen: „Wir wissen, dass iranische Botschaften in Europa Agenten aus dem kriminellen Milieu anwerben – sie überreden oder bezahlen sie, um Anschläge auf jüdische Einrichtungen zu verüben. Uns liegen Informationen vor, dass solche Angriffe von iranischen Behörden organisiert werden.“

Sein Appell ist entsprechend unmissverständlich: Die europäischen Staaten sollten iranische Botschaften schließen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt, um weitere Attacken zu verhindern. Denn, so betont er, es geht längst nicht mehr nur um die Sicherheit jüdischer Gemeinden.

„Auch wenn Juden die ersten Zielscheiben waren, richtet sich der radikale Islam heute gegen jeden Europäer. Ist das noch ein normales Leben? Man bringt sein Kind morgens in den Kindergarten, vor dem Eingang stehen bewaffnete Soldaten – und man weiß, dass es Menschen gibt, die diesem Kind etwas antun wollen, die es töten wollen.“

Was er beschreibt, ist vielerorts längst Realität. Synagogen sind ohne Sicherheitskontrollen kaum noch zugänglich, vor Schulen und Kindergärten stehen Polizeikräfte. Und dieses Sicherheitsmodell, warnt Goldschmidt, greife zunehmend auch auf nichtjüdische Einrichtungen über.

Die jüngsten Angriffe in Amsterdam, Belgien und den Niederlanden seien daher keineswegs spontane Ausbrüche von Gewalt: „Das ist kein zufälliger Antisemitismus. Das ist organisiert und finanziert. Staaten wie Iran haben ein Interesse daran, Europa zu spalten und seine Lebensweise zu untergraben.“

Doch die Bedrohung kommt nicht nur von außen. Innerhalb Europas habe sich, so Goldschmidt, ein gefährlicher Wandel vollzogen: „Antisemitismus ist politisch salonfähig geworden. Früher haben etablierte Parteien solche Positionen strikt gemieden. Heute können Politiker und Medienvertreter nahezu alles sagen – ohne ernsthafte Konsequenzen.“

Getragen werde diese Entwicklung von drei Seiten: der extremen Rechten, der extremen Linken und dem radikalen Islam.

„Der Antisemitismus ist zu ihrem gemeinsamen Nenner geworden.“

Besonders besorgniserregend sei die Dynamik im Umfeld des radikalen Islam: „In der Europäischen Union leben heute rund 40 Millionen Muslime, von denen viele nicht integriert sind. Das schafft ein Umfeld, in dem sich Extremismus entfalten kann.“

Vor diesem Hintergrund stellt sich immer drängender die Frage nach der Zukunft jüdischen Lebens in Europa. Immer mehr Menschen ziehen eine Auswanderung in Betracht – vor allem nach Israel.

Und hier formuliert Goldschmidt einen bemerkenswerten Gedanken: „Statistisch gesehen ist das Risiko, in Israel Opfer eines Terroranschlags zu werden, höher als in Europa. Trotzdem wollen die Menschen dorthin. Warum? Es geht nicht um Sicherheit. Es geht um etwas anderes – um die Möglichkeit, sich zu wehren.“

Seine Botschaft an die jüdischen Gemeinden Europas ist klar und eindringlich: „Seid stark. Seid stolz darauf, Juden zu sein. Versteckt eure Identität nicht. Und steht an der Seite Israels.“

J.E.W.-Redaktion