Dortmund bei der Makkabiade 2026
In diesem Beitrag möchte ich nun von den bemerkenswerten Athletinnen und Athleten aus Dortmund berichten.
Beginnen möchte ich diese Geschichte mit Alexandr Petuhovskij, der zum ersten Mal in seinem Leben als Sportler an einer Makkabiade teilnahm und zugleich einer der ältesten Athleten n der gesamten Mannschaft von MAKKABI Deutschland war. Alexandr, Jahrgang 1951, versetzte alle, die ihn an der Tischtennisplatte spielen sahen, ins Staunen: Niemand konnte angesichts seiner sportlichen Form, seiner Beweglichkeit und seiner beeindruckenden Willenskraft glauben, dass es sich hier um einen Mann dieses Alters handelte. Am Ende stand er bei dieser Makkabiade gleich dreimal auf dem Podest und gewann eine Silber- sowie zwei Bronzemedaillen. Alexandr berichtete im Gespräch, dass die Organisation der Spiele über jeden Zweifel erhaben gewesen sei, und fügte hinzu, es habe sich um einen außergewöhnlichen sportlichen Wettbewerb von weltweitem Rang gehandelt.
Ich fragte ihn: „Warum haben Sie denn früher nie an einer Makkabiade teilgenommen?“
Darauf antwortete er: „Ich habe meine ganze Zeit einer anderen Leidenschaft gewidmet: Gemeinsam mit meiner Frau fahren wir seit vielen Jahren Heißluftballon und nehmen an internationalen Ballonfestivals teil.“
Das Beispiel von Alexandr Petuhovskij zeigt: Für die erste Makkabiade ist es niemals zu spät.
Alexandr Petuhovskij gewann bei der 22. Makkabiade insgesamt
eine Silber- sowie zwei Bronzemedaillen
Foto: MAKKABI Deutschland / Jessica Brauner
Boris Dezent gewann bei der 22. Makkabiade eine Bronzemedaille
Foto: MAKKABI Deutschland / Jessica Brauner
Boris Dezent, ein junger Tischtennisspieler des BVB, hatte zwar bereits an den European Maccabi Games teilgenommen, doch die große Makkabiade in Israel war für ihn in der Juniorenkategorie U17 eine echte Premiere. Und was für ein Einstand das war! Als Maskottchen im Bärenkostüm lief er bei der Eröffnungsfeier ganz vorne mit und vertrat die gesamte deutsche Mannschaft. „Ein riesiges Stadion, das Gefühl war wirklich wie bei den Olympischen Spielen, nur eben für Juden“, erzählt Boris. „Es war einfach unbeschreiblich!“ Auch sportlich krönte er sein Debüt mit der Bronzemedaille.
Für Lisa Lubarov war es bereits die zweite Makkabiade in Israel; hinzu kommen zwei European Maccabi Games. Im Badminton erreichte sie sowohl im Einzel als auch im Mixed und im Doppel jeweils das Viertelfinale. Was die Athletinnen und Athleten auf die eine oder andere Weise besonders beeindruckte, waren vor allem die Begegnungen mit Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt mitten im Wettkampf: „Das war wirklich ein Gefühl wie bei den Olympischen Spielen.“
Lisa Lubarov erreichte sowohl im Badminton-Einzel als auch im Mixed jeweils das Viertelfinale
Foto: MAKKABI Deutschland / Sharon Back
Aaron Pikowski gewann bei der 22. Makkabiade insgesamt zwei Silber- sowie drei Bronzemedaillen
Foto: MAKKABI Deutschland / Robert Poticha
Auch für Aaron Pikowski war es bereits die zweite Makkabiade – und diesmal lief alles noch besser. „Es war eine Mischung aus Machane und Jugendreise“, beschreibt er das Wiedersehen mit Freunden und Bekannten aus der eigenen Sportart. Genau darin lag nach seinen Worten auch der Schlüssel zum Erfolg: „Wir kannten die Stärken und Schwächen der anderen, konnten die Aufgaben gut aufteilen – daher auch so viele Medaillen in den Staffeln.“ Insgesamt gewann er in den Staffelwettbewerben fünf Medaillen: drei bronzene und zwei silberne. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm außerdem die großartige Atmosphäre: „Alle waren gut gelaunt, alle wollten dabei sein, niemand machte den Eindruck, als wäre er gezwungen worden, mitzufahren – so etwas erlebt man ja manchmal bei regionalen Wettkämpfen oder beim Training.“ Auch die Gastfreundschaft in Israel beeindruckte ihn sehr: „Die Menschen waren unglaublich freundlich, alle waren gut gelaunt … jeder genoss einfach das Leben und den Moment.“
Genau das macht diese Spiele aus: Wie bunt und intensiv die Makkabiade auch abseits der Wettkämpfe ist. Gemeinsame Schabbat-Feiern, ein abwechslungsreiches Programm, Begegnungen, alte und neue Freundschaften. Ein Moment, der besonders unter die Haut ging – vor allem für die jungen Sportlerinnen und Sportler –, war die Begegnung mit Ehrenmakkabäer Shaul Ladany. Überlebender der Schoa, Überlebender des Olympia-Attentats von 1972: eine lebende Sportgeschichte, eine Ikone der Makkabi-Bewegung, zum Anfassen nah.
Die deutschen Medaillengewinnerinnen und -gewinner waren in der Deutschen Botschaft zu Gast und wurden dort von der stellvertretenden Botschafterin Frau Merks empfangen. Unter den Anwesenden befand sich auch BVB-Vizepräsident Daniel Lörcher, der seit Jahren eine enge Freundschaft mit Israel pflegt und für seine Bildungsarbeit im Sport sowie sein Engagement gegen Antisemitismus bekannt ist. Er führte die Delegation von MAKKABI Deutschland entlang der Straße 232 zu den Orten des Terrors vom 7. Oktober 2023 – unter anderem zum Kibbuz Kfar Aza und zur Gedenkstätte des Nova-Festivals.
Daniel Lörcher, Vizepräsident des BVB Dortmund, führte die Delegation von MAKKABI Deutschland nach Kfar Aza und zur Gedenkstätte des Nova-Festivals
Foto: Rafael Herlich, Fotograf und Fotojournalist
Boris Dezent und Lisa Lubarov nahmen als Athleten, Venjamin Makarov und Maria Marduhaev nahmen als Betreuer der Sportler an der Makkabiade teil
Foto: (c) Makkabi Dortmund
2027 kommen die European Maccabi Youth Games quasi vor die eigene Haustür: In Frankfurt werden jüdische Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren an den Start gehen. Wer jüdisch ist, einer Gemeinde angehört und aktiv Sport treibt, kann für MAKKABI Deutschland in seiner Disziplin antreten. Also, liebe Dortmunder: Wir hoffen auf eine starke Mannschaft in möglichst vielen Sportarten. Und wer weiß – vielleicht ist das schon der erste Schritt zu einer Teilnahme an der nächsten großen Makkabiade in Israel.
Mit den Dortmunder Teilnehmer*innen der 22. Makkabiade sprach Hana Kopelewitsch