Zwi Rappoport,
Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.o.R.

Zwi Rappoport Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe K.d.o.R.

Liebe Freunde,

Ende Juli war ich bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im Deutschen Sport bis 1933 und danach“.
Die beeindruckende Outdoor-Ausstellung zeigt lebensgroße Figuren von 17 bedeutenden deutsch-jüdischen Sportlerinnen und Sportlern. Als Nationalspieler, Welt- oder Europameister, als Olympiasieger oder Rekordhalter zählten sie zu den gefeierten Idolen ihrer Zeit. Und trotzdem wurden sie als Juden ausgegrenzt, entrechtet, vertrieben oder ermordet.

Mich hat besonders das Schicksal der Hochspringerin Gretel Bergmann berührt. Als einzige Jüdin wurde sie 1936 in die Olympiamannschaft des Deutschen Reiches aufgenommen – und eine Woche vor Beginn der Spiele mit der Lüge, sie sei „verletzt“, wieder ausgeschlossen. 1937 emigrierte sie in die USA, wo sie sich ein neues Leben aufbaute. Sie starb dort 2017 im gesegneten Alter von 103 Jahren.

Ihre Geschichte steht beispielhaft für die Ambivalenz jüdischen Sports in Deutschland: für große sportliche Erfolge und gesellschaftliche Anerkennung auf der einen Seite, aber auch für Ausgrenzung und Verfolgung, die schließlich in die Vernichtung führten. Zugleich erinnert sie uns daran, welche Bedeutung Sport für jüdische Selbstbehauptung und jüdischen Stolz gewinnen konnte.

Die Geschichte der jüdischen Sport- und Turnvereine war eng mit dem im 19. Jahrhundert aufkommenden Antisemitismus verbunden. Jüdischen Stolz durch Sport aufzubauen – das ist und war schon immer ein Leitgedanke der Makkabiade, der Weltspiele des Judentums.

Gerade ist die 22. Makkabiade in Israel zu Ende gegangen. Für MAKKABI Deutschland war dies die bisher erfolgreichste Teilnahme. Mit insgesamt 128 Medaillen – 20 Gold-, 33 Silber- und 75 Bronzemedaillen – erreichte die deutsche Delegation das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

Mit besonderem Stolz erfüllt uns, dass auch Sportlerinnen und Sportler unseres Landesverbandes zu diesem großartigen Erfolg maßgeblich beigetragen haben.

Die Reportagen in dieser Ausgabe laden Sie dazu ein, die Höhepunkte dieses internationalen Sportfestes des Judentums nachzuerleben und die weit über den Sport hinausgehenden Begegnungen und Erfahrungen nachzuempfinden.

Ich gratuliere im Namen des Landesverbandes allen Sportlerinnen und Sportlern zu ihren großartigen Erfolgen und natürlich auch den Trainerinnen und Trainern sowie den Betreuerinnen und Betreuern, die diesen Erfolg erst möglich gemacht haben.

Liebe Freunde,

am Vorabend des Jüdischen Neuen Jahres 5787 wünschen wir uns von ganzem Herzen, dass das neue Jahr endlich den lang ersehnten Frieden für Israel und für die Ukraine bringen möge – oder zumindest ein Ende der Kriege und des damit verbundenen Leids und Sterbens.

Möge das neue Jahr besser werden als das vergangene, uns G“ttes Segen schenken und uns Zuversicht für die Zukunft geben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein glückliches, friedliches und vor allem gesundes neues Jahr.

Schana Towa u’Metuka!